Transitpotenzial des türkischen Raums: Sich integrierende Wirtschaften und neue Logistiklösungen

Im 21. Jahrhundert erhöht die rasante Entwicklung der globalen Wirtschaftsbeziehungen die strategische Bedeutung von Transport- und Logistiksystemen zunehmend. Vor diesem Hintergrund ist die Stärkung der Zusammenarbeit im Transportsektor zwischen den Mitgliedstaaten der Organisation der Turkstaaten (OTS), die sich in einer wichtigen geoökonomischen Region zwischen Europa und Asien befinden, zu einer der Prioritäten geworden.
Im Rahmen der OTS werden praktische Initiativen zur Entwicklung moderner Transportkorridore, zur Steigerung des Transitpotenzials sowie zur Schaffung eines einheitlichen Logistikraums vorangetrieben. Dies dient nicht nur der Vertiefung der regionalen Integration, sondern auch der Sicherung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums und der gegenseitigen Vernetzung im eurasischen Raum.
Die Mitgliedstaaten der OTS zählen zu den wichtigsten Handels- und Wirtschaftspartnern Usbekistans. Insbesondere bestehen ein bedeutendes Handelsvolumen mit Kasachstan, Freihandel mit Aserbaidschan sowie Meistbegünstigungsregelungen mit der Türkei und Ungarn.
Im Jahr 2025 betrug das Frachttransportvolumen Usbekistans mit den OTS-Mitgliedstaaten 17,5 Millionen Tonnen, was nahezu 38 Prozent des gesamten Export- und Importtransportvolumens ausmachte.
Um die vielseitige Zusammenarbeit innerhalb der Organisation weiter zu intensivieren und die strategische Partnerschaft zwischen den Mitgliedstaaten zu stärken, fand am 7. Oktober 2025 in der aserbaidschanischen Stadt Gabala der XII. Gipfel der Organisation der Turkstaaten unter dem Motto „Regionale Stabilität und Sicherheit“ statt.
Zum Abschluss des Gipfels verabschiedeten die Teilnehmer die Gabala-Deklaration, die aus 121 Punkten besteht. In diesem Dokument wurden eine Reihe vorrangiger Aufgaben zur Erweiterung der Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Transport und Kommunikation, Energie sowie Sicherheit festgelegt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Transportsektor gelegt. In der Deklaration wurde hervorgehoben, wie wichtig die weitere Stärkung der Verkehrsverbindungen zwischen Europa und Asien, die Erhöhung des Transitpotenzials der Staaten der Region sowie die Ausweitung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sind.
Gleichzeitig wurde die Entwicklung des Transkaspischen Internationalen Transportkorridors (Mittlerer Korridor) als eine der strategischen Prioritäten innerhalb der Organisation anerkannt. Durch die Weiterentwicklung dieses Korridors soll die Effizienz der Gütertransportketten im eurasischen Raum gesteigert, die Transportwege diversifiziert und die Bedeutung der Region im globalen Logistiksystem gestärkt werden.
Darüber hinaus wurde im Rahmen des Gipfels vereinbart, das Format „OTS+“ einzuführen, das auf die Erweiterung der Zusammenarbeit der Organisation der Turkstaaten mit externen Partnern und Drittstaaten abzielt.
Auf diesem Gipfel betonte das Staatsoberhaupt Usbekistans die Bedeutung der Anbindung des Mittleren Korridors an die Eisenbahnstrecke „China – Kirgisistan – Usbekistan“ sowie an den Transafghanischen Korridor. Ebenso hob er die Notwendigkeit der Digitalisierung der Zollverfahren und der Optimierung der Tarife hervor. Die vorgeschlagenen Initiativen wurden von den Mitgliedstaaten der Organisation unterstützt, die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit in diesen Bereichen erklärten.
Nach Einschätzung von Experten wird die Eisenbahnstrecke „China – Kirgisistan – Usbekistan“ den kürzesten Transportkorridor von China nach Europa und in den Nahen Osten schaffen. Dabei soll sich die Strecke um 900 Kilometer verkürzen und die Lieferzeit für Güter um 7 bis 8 Tage reduziert werden.
Der Bau der Eisenbahnlinie „Usbekistan – Afghanistan – Pakistan“ stellt ein weiteres bedeutendes Projekt der transregionalen Zusammenarbeit dar. Dieses Vorhaben verbindet das südasiatische Eisenbahnsystem mit den Eisenbahnnetzen Zentralasiens und Eurasiens.
In den letzten Jahren ist mit dem wachsenden Interesse am Transkaspischen Korridor auch das Frachtaufkommen auf dieser Route kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2025 überschritt das Transitvolumen usbekischer Güter über den Hafen von Baku entlang dieser Route 1,2 Millionen Tonnen. In naher Zukunft soll dieser Wert auf 1,5 Millionen Tonnen erhöht werden.
Usbekistan nutzt aktiv die strategische Route „China – Kirgisistan – Usbekistan – Turkmenistan/Kasachstan – Kaspisches Meer – Aserbaidschan – Georgien – Türkei – Europa“, die die Mitgliedstaaten der Organisation der Turkstaaten verbindet. In Zusammenarbeit mit der Organisation wird besonderer Wert auf die Weiterentwicklung dieser Route gelegt. Insbesondere werden umfangreiche Maßnahmen zur Modernisierung der Infrastruktur und zur Koordinierung logistischer Prozesse umgesetzt.
Angesichts der aktuellen Bedeutung der Entwicklung und Diversifizierung globaler Logistikketten und Transportkorridore sowie der Schaffung eines einheitlichen Transitnetzes wird die Nutzung des Potenzials der Turkstaaten zunehmend zu einer zentralen Aufgabe.
Zudem wird innerhalb der OTS besonderes Augenmerk auf die Einführung digitaler Lösungen in Lieferketten gelegt. So wurde zwischen den Mitgliedstaaten ein elektronisches Genehmigungsaustauschsystem (e-Permit) eingeführt, und mit Aserbaidschan wurde das e-TIR-System umgesetzt. Darüber hinaus werden elektronische Zollsysteme, automatische Frachtverfolgungssysteme sowie digitale Zollkorridore in den OTS-Staaten umfassend eingeführt.
Die genannten Initiativen stellen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Schaffung eines einheitlichen Transportraums zwischen den Turkstaaten dar. Dank digitalisierter Systeme, neuer Transportrouten und gemeinsamer Investitionen vertiefen die OTS-Mitgliedstaaten ihre gegenseitige Integration und stärken ihre Position im eurasischen Transportnetz.
Informationsagentur "Dunyo"