Usbekistan: Stärkung der Zusammenarbeit und neue Entwicklungsperspektiven der turksprachigen Welt

Das bevorstehende Treffen auf höchster Ebene wird voraussichtlich eine wichtige Plattform für die Erörterung aktueller Fragen der Zusammenarbeit sowie für die Festlegung weiterer Prioritäten der Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten darstellen.
Die Herausbildung eines turkischen Integrationsraums hat eine langjährige Geschichte, die sich nicht nur auf die gemeinsame Sprache, Kultur und das historische Erbe stützt, sondern auch auf die reichen Traditionen des aufklärerischen und intellektuellen Denkens der Turkvölker. Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Ideen kultureller und geistiger Annäherung spielte die Dschadidismus-Bewegung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, deren Vertreter sich für die Entwicklung von Bildung und Wissenschaft, die Modernisierung der Gesellschaft sowie die Stärkung der Beziehungen zwischen den Turkvölkern einsetzten.
Der erste Gipfel der Staatsoberhäupter der turksprachigen Staaten fand 1992 in Ankara auf Initiative des Premierministers der Türkei Turgut Özal statt. In der Taschkenter Deklaration von 1996 wurde von den Staatschefs die Einrichtung eines Sekretariats beschlossen. In den folgenden Jahren entwickelte sich dieses Format kontinuierlich weiter, was 2009 in Nachitschewan zur Gründung des Kooperationsrates der turksprachigen Staaten führte. Auf dem Gipfel in Istanbul im Jahr 2021 wurde beschlossen, die Struktur in die Organisation der Turkstaaten (OTS) umzuwandeln, was die Erweiterung ihrer Tätigkeit und die zunehmende internationale Bedeutung widerspiegelte.
Das Hauptziel der Organisation besteht in der Entwicklung einer umfassenden Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten – Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, der Türkei und Usbekistan. Zu den vorrangigen Aufgaben zählen die Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und der guten Nachbarschaft, die Koordinierung außenpolitischer Positionen sowie die Erweiterung der Zusammenarbeit in den Bereichen Handel und Wirtschaft, Transport, Energie sowie Kultur und Humanitäres. Besonderes Augenmerk gilt der Schaffung günstiger Bedingungen für Handel und Investitionen, der Entwicklung wissenschaftlich-technischer Zusammenarbeit sowie der Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung in den Ländern der Region.
Die Organisationsstruktur der OTS umfasst eine Reihe zentraler Institutionen, die die Koordinierung der multilateralen Zusammenarbeit gewährleisten. Das höchste Organ ist der Rat der Staatsoberhäupter, der die strategischen Entwicklungsrichtungen festlegt und regelmäßig zusammentritt. Beratende Funktionen übernimmt der Ältestenrat (Aksakale) der Organisation der Turkstaaten, der angesehene Vertreter der Mitgliedsländer vereint und zur Stärkung der Traditionen des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens in der türkischen Welt beiträgt.
Usbekistan war von Anfang an ein aktiver Teilnehmer der Annäherungsprozesse der Turkstaaten und der Entwicklung der multilateralen Zusammenarbeit in diesem Format. Ein neuer Wendepunkt war die Teilnahme von Präsident Shavkat Mirziyoyev als Ehrengast am VI. Gipfeltreffen der turksprachigen Länder, das am 3. September 2018 in der kirgisischen Stadt Cholpon-Ata stattfand. Dieser Schritt verlieh der Entwicklung der Organisation neue Impulse. Bereits 2019 ratifizierte die Republik das Abkommen von Nachitschewan und festigte damit offiziell ihre vollwertige Teilnahme an den Aktivitäten der OTS.
Mit dem Beitritt Usbekistans ist eine deutliche Aktivierung der Tätigkeit der Organisation sowie eine Erweiterung der Agenda der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu beobachten. Auf den Gipfeltreffen der Jahre 2019 bis 2025 brachte der Präsident Usbekistans 116 Initiativen zur Vertiefung der umfassenden Zusammenarbeit ein. Bis heute wurden bereits 64 davon umgesetzt, während sich weitere Projekte in der Abschlussphase befinden. Diese Zahlen zeugen von einem systematischen und praxisorientierten Ansatz Usbekistans bei der Entwicklung der Integrationsprozesse im türkischen Raum.
Die umgesetzten Initiativen umfassen ein breites Spektrum an Bereichen. Im wirtschaftlichen und transportbezogenen Bereich gewannen insbesondere Projekte zur Digitalisierung von Verfahren an Bedeutung – darunter die Einführung der Systeme „e-Permit“, „digitales TIR“ und des „Grünen Korridors“, die auf die Vereinfachung logistischer Prozesse und die Entwicklung des Transitpotenzials der Region abzielen. Im Tourismussektor waren die Ernennung der Stadt Kokand zur Tourismushauptstadt der Turkwelt sowie die Umsetzung des Projekts „Tabarruk Ziyarat“, das die Entwicklung des Pilgertourismus fördert, bedeutende Ereignisse.
Auch die Zusammenarbeit im Bereich Jugendpolitik, Wissenschaft und Bildung entwickelt sich aktiv weiter – es werden Foren junger Führungskräfte, internationale Konferenzen sowie Veranstaltungen im Rahmen des Verbands der Turk-Universitäten organisiert. Gleichzeitig wird der innovativen Entwicklung besondere Aufmerksamkeit gewidmet: Es finden IT-Foren, Start-up-Plattformen und Treffen zuständiger Behörden statt, einschließlich der Zusammenarbeit im Bereich Raumfahrt und Verteidigungsindustrie. Dies spiegelt das Bestreben der Mitgliedstaaten wider, einen gemeinsamen technologischen Raum zu schaffen.
Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Organisation der Turkstaaten ist der Vorsitz Usbekistans, der nach dem Gipfel in Samarkand im Jahr 2022 begann. In dieser Zeit intensivierte das Land nicht nur die praktische Zusammenarbeit, sondern brachte auch institutionelle Neuerungen in die Tätigkeit der Organisation ein. Insbesondere wurde erstmals die Praxis eingeführt, ein umfassendes Konzept sowie einen Maßnahmenplan für die Dauer des Vorsitzes auszuarbeiten, wodurch der Zusammenarbeit ein systematischerer und konsequenterer Charakter verliehen wurde. Im Rahmen des Vorsitzes wurden mehr als 100 Veranstaltungen verschiedener Ebenen und Ausrichtungen durchgeführt, die zentrale Bereiche der Zusammenarbeit abdeckten – von Wirtschaft und Transport bis hin zu Wissenschaft, Kultur und Bildung.
Die moderne Agenda der OTS wird unter Berücksichtigung der Interessen aller Mitgliedstaaten gestaltet, wobei jedes Land seinen eigenen Beitrag zur Entwicklung der Integrationsprozesse leistet.
Die wirtschaftliche Dimension der Zusammenarbeit innerhalb der OTS weist eine stabile positive Dynamik auf. In den letzten Jahren ist das Handelsvolumen Usbekistans mit den Mitgliedstaaten der Organisation kontinuierlich gestiegen und überschritt im Jahr 2025 die Marke von 10,8 Milliarden US-Dollar. Die wichtigsten Handelspartner von Usbekistan bleiben Kasachstan und die Türkei, wobei auch der gegenseitige Handel mit anderen Mitgliedstaaten wächst. Dies zeugt von einer zunehmenden wirtschaftlichen Integration und einer Vertiefung der Kooperationsbeziehungen in der Region.
Vor diesem Hintergrund wird der bevorstehende Gipfel der Organisation der Turkstaaten in Turkestan eine wichtige Plattform für die Erörterung weiterer Richtungen der multilateralen Zusammenarbeit und die Ausarbeitung neuer gemeinsamer Initiativen darstellen. Angesichts des Mottos des Gipfels wird erwartet, dass besonderes Augenmerk auf Fragen der digitalen Transformation, die Entwicklung gemeinsamer Innovationsökosysteme, die Einführung von Technologien der künstlichen Intelligenz, die Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich digitaler Infrastruktur sowie die Ausbildung moderner hochqualifizierter Fachkräfte gelegt wird.
Darüber hinaus sollen Fragen der Stärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, der Entwicklung der transport- und logistikbezogenen Vernetzung, der Erweiterung der Investitionszusammenarbeit sowie der Förderung gemeinsamer hochtechnologischer und innovativer Projekte im türkischen Raum erörtert werden.
Nach Ansicht von Experten wird Usbekistan, das sich konsequent für die Vertiefung der praktischen Zusammenarbeit und die Stärkung des gegenseitigen Vertrauens im gesamturkischen Raum einsetzt, auch weiterhin aktiv zur Verwirklichung der gemeinsamen Ziele der Organisation beitragen. Die bevorstehenden Vereinbarungen und Initiativen sollen den Integrationsprozessen neue Impulse verleihen, die nachhaltige Entwicklung der Region fördern und die internationale Autorität der Organisation der Turkstaaten weiter stärken.