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„Die Wirtschaft entwickelt sich rasant“

Usbekistan gehörte in den letzten Jahren weltweit zu den Reformvorreitern: Die OEI sprachen mit Botschafter Nabijon Kasimov über die Veränderungen in seinem Land und die deutsch-usbekischen Wirtschaftsbeziehungen.

Herr Botschafter, Usbekistan hat vor drei Jahren einen intensiven Reformprozess eingeleitet. Welches sind die wichtigsten Wirtschaftsreformen?
2017 hat Usbekistan die Strategie für umfassende Wirtschaftsreformen verabschiedet, die darauf abzielt, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern, die notwendigen Bedingungen für die Geschäftstätigkeit zu schaffen und die Offenheit und Attraktivität Usbekistans sicherzustellen. Insbesondere wurden beispiellose Schritte zur Liberalisierung des Finanz- und Bankensektors, des Steuersystems und der Zollverfahren unternommen.
Die Reformen betrafen alle Aspekte der Wirtschaftstätigkeit, angefangen von der Registrierung eines Unternehmens und der Besteuerung bis hin zur Konvertierung des Gewinns in internationale Währungen und deren Rückführung. Die Regierung hat auch umfassende Maßnahmen zur Entwicklung öffentlich-privater Partnerschaften sowie Strategien zur Steigerung der Effizienz staatlicher Unternehmen eingeführt. Um die staatliche Beteiligung an der Wirtschaft zu verringern und Bedingungen für die Entwicklung des Privatsektors zu schaffen, werden in naher Zukunft mehr als 1.100 Unternehmen mit staatlicher Beteiligung vollständig privatisiert.
Infolge der ergriffenen Maßnahmen stieg Usbekistan im Doing-Business-Ranking der Weltbank unter 190 Ländern von Platz 146 im Jahr 2017 auf jetzt Platz 69. Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat sich Usbekistan auch bei der Bewertung des Kreditrisikos durch die OECD verbessert. Die in unserem Land durchgeführten Reformen erhielten auch eine positive Bewertung durch den „Economist“, der Usbekistan 2019 als einen der Top-Ten Reformstaaten zum „Land des Jahres“ ernannte.

Wie entwickelt sich die usbekische Wirtschaft aktuell?
Die Wirtschaft unseres Landes entwickelt sich weiterhin rasant. 2019 betrug das BIP-Wachstum 5,6 Prozent. Die Investitionen in die Wirtschaft nahmen erheblich zu, und das Volumen ausländischer Direktinvestitionen belief sich 2019 auf 4,2 Milliarden US-Dollar, fast vier Mal so viel wie 2018. Im vergangenen Jahr wurden 93.000 neue Unternehmen gegründet, fast doppelt so viele wie 2018. Zum ersten Mal erhielt unser Land eine internationale Bonitätseinschätzung und platzierte erfolgreich Anleihen im Wert von einer Milliarde US-Dollar auf dem globalen Finanzmarkt.

Wie entwickeln sich die deutsch-usbekischen Wirtschaftsbeziehungen?
In den letzten Jahren war die bilaterale wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern von einer erheblichen Dynamik geprägt. Der bilaterale Handel stieg 2019 um 26 Prozent auf 980 Millionen US-Dollar. Es wurden unter Beteiligung von Investoren aus Deutschland 185 Unternehmen gegründet, darunter 58 mit 100-prozentig deutschen Kapital. Es gibt zudem mehr als 50 Repräsentanzen deutscher Unternehmen und Banken in Usbekistan.
Gegenwärtig werden in Usbekistan unter Beteiligung deutscher Investoren 70 Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 4,2 Milliarden Euro umgesetzt. Außerdem liegen 15 neue Projekte im Wert von 1,1 Milliarden Euro zur Unterzeichnung bereit. In den letzten drei Jahren haben deutsche Banken aktiv begonnen, Projekte in Usbekistan zu finanzieren. In diesem Zusammenhang soll das kürzlich eröffnete Büro der KfW in Taschkent die Präsenz deutschen Kapitals in unserem Land weiter stärken.

In welchen Bereichen kann die Zusammenarbeit mit Deutschland noch intensiviert werden?
Ich glaube, dass in fast allen Bereichen der Wirtschaft gute Aussichten vorhanden sind. In diesem Zusammenhang sollen der für Mai geplante deutsch-usbekische Wirtschaftstag mit dem OAOEV in Deutschland sowie eine Delegationsreise deutscher Unternehmen nach Usbekistan im Herbst neue Impulse für die Erweiterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen unseren Staaten geben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich deutsche Firmen und Unternehmen einladen, am ersten Taschkent International Investment Forum teilzunehmen, das unter der Leitung des Präsidenten Shavkat Mirziyoyev vom 11. bis 12. November 2020 in der Hauptstadt Taschkent stattfindet. Es wird erwartet, dass das Forum bis zu 1.500 Vertreter großer internationaler Unternehmen, Finanzinstitutionen sowie kleiner und mittlerer Unternehmen zusammenbringen wird. Das Forum soll eine einzigartige Plattform für die Entwicklung von Beziehungen im B2B- und G2B-Format werden.

Die Fragen stellte Christian Himmighoffen, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
Quelle: OST-AUSSCHUSS-INFORMATIONEN - Ausgabe 3/4 - 2020