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Kapital für die Zukunft - Mehr Bildung für Usbekistan

05.06.2019

Mit Amtsantritt von Präsident Shavkat Mirziyoyev Ende 2016 startete Usbekistan eine Bildungsoffensive. Darin sieht die Regierung die Grundlage für die weitere Entwicklung des Landes. Auch das Angebot für Deutschunterricht wurde erheblich ausgeweitet.

Usbekistan soll zum Hub für Bildung werden, für die gesamte Region Zentralasiens. Nach Jahren der Abschottung sucht das Land Anschluss an internationale Standards in Sachen Bildung. Schulen und Hochschulen aus dem Ausland sind eingeladen, daran mitzuwirken. Mit mehr Bildung bzw. besserer Ausbildung und Qualifikation, bereitet sich die Regierung in Taschkent auf Investitionen aus dem Ausland vor. Neue Investitionen haben mehr Chancen, wenn es gut geschulte Arbeitskräfte gibt. Die Regierung in Taschkent hat dies erkannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt.

Gute Bildung als Schlüssel zum Erfolg des Landes

Scherzod Schermatov sitzt hinter einem großen Schreibtisch. Er ist Bildungsminister, einer von derzeit dreien. Sein Bereich ist das öffentliche Bildungswesen der Schulklassen eins bis elf. Für Vorschulen und Kindergärten ist ein anderer Minister zuständig, und noch ein weiterer für die Weiter- und Hochschulbildung. Für die Zukunft des Landes birgt die Bildung große Chancen, denn über die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre. Quantität und Qualität der Bildung sollen steigen.

„Wir müssen zugeben, dass dieses Land in den letzten Jahren ziemlich verschlossen war.“ stellt er fest, aber der neue Präsident hat eine Politik der Öffnung eingeleitet. „Usbekistan liegt in der Mitte Zentralasiens“ stellt er weiter fest. „Mit allen Nachbarn pflegen wir jetzt gute Kontakte“. Schermatov zählt zu der jungen Generation und somit zu denen, die oft international ausgebildet sind und mit Elan neue Entwicklungen im Land voranbringen.

Reformen zeigen erste Wirkung

Schon jetzt hat sich viel an den Schulen verändert - dies zeigt sich gerade beim Unterricht von Fremdsprachen. „Der Präsident hat entschieden, dass wir große Veränderungen bei der Allgemeinbildung brauchen.“, erklärt der Minister. Englisch gibt es bereits ab der ersten Klasse, zunächst spielerisch, dann aubauend, entsprechend den internationalen Standards. Das Angebot für Deutsch wurde erheblich ausgeweitet und wird jetzt an mehr als 50 Schulen unterrichtet - Deutschlehrer werden gesucht und sogar aus dem Ausland angeworben. Vor allem aber steigt die Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer. Wie in den meisten postsowjetischen Staaten war sie sehr gering und damit unattraktiv. Hinzu kam, dass die Unterrichtenden viele staatliche Verpflichtungen außerhalb der Schule hatten. So mussten sie jedes Jahr bei der Baumwollernte helfen. Diese Zeiten sind vorbei.

90 Prozent der Unterrichtenden waren seinerzeit Frauen, die meisten von ihnen besserten so das Einkommen der Familie auf. Heute gibt es neue Anreize für die Studierenden, denn die besten Schulabgänger sollen nicht nur Manager, Banker und Rechtsanwälte werden, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer. Die Gehälter wurden innerhalb kürzester Zeit gleich zweimal angehoben: Einmal im vergangenen September und einmal im Januar. Sie sollen auf ein Niveau steigen, welches über dem Durchschnittseinkommen liegt. Weil aber höhere Gehälter für Lehrer derzeit nur begrenzt finanzierbar sind, gibt es weitere Anreize: Der Staat hilft ihnen beim Kauf eines Autos oder einer Wohnung. Schon jetzt zeigen die Maß-nahmen Wirkung: Deutlich mehr männliche Studenten wollen Lehrer werden.

Mehr Unterricht in Fremdsprachen, neue Studiengänge

Auch in den Schulen sind die neuen Regelungen bereits angekommen. An Schule Nr. 60 in Taschkent wird von der ersten Klasse an Deutsch unterrichtet. Muyassar Kurbanova ist stellvertretende Direktorin der Schule. 2.350 Schüler lernen dort, berichtet sie, 30 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten Deutsch. Sie findet es gar nicht so ungewöhnlich, dass junge Usbeken die Sprache gerne lernen, denn am Ende der Schulzeit, nach elf Jahren, können Schüler ein Diplom erwerben, das sie zum Studium an einer deutschen Universität berechtigt - ein großer Anreiz, denn dort hoffen sie auf eine solide Ausbildung und dann ein gutes Gehalt. Das Angebot ist nur an wenigen Schulen so umfangreich, aber Deutsch ist jetzt bereits als Fremdsprache sehr beliebt, insbesondere auf dem Lande.

An den Universitäten zeigt sich die Bildungsoffensive durch neue Studiengänge, insbesondere im Bereich Management und Finanzen, Landwirtschaft und internationaler Tourismus. „Das sind die Themen, mit denen wir das Land erst einmal voranbringen, die sind jetzt wichtig.“, erklärt Dr. Obidjon Khamidov, Vize-Rektor der Staatlichen Taschkent Universität. Er hat in Krems, Österreich, studiert, besitzt gute Kontakte zur Universität Bremen und spricht fließend Deutsch, mit einem charmanten, österreichischen Ton in der Stimme. An der University of Economics ist er zuständig für die internationalen Kontakte. Die Universität bildet zur Zeit 6.000 Studenten aus. Ihre Zahl soll deutlich steigen, mit Studenten aus Usbekistan, aus Zentralasien, und auch Ländern außerhalb der Region. Der Schlüssel von Lehrenden zu Lernenden lässt auf eine sehr intensive Betreuung schließen. Mit noch mehr internationalem Personal soll sie noch besser werden. Räume mit neuer Technik warten jetzt auf internationale Gäste. Wer bekannt ist, darf sogar im universitätseigenen Wald einen Baum pflanzen. Ein kleines Wäldchen steht dort schon.

Für Usbekistan war Bildung schon immer ein sehr wichtiges Thema. Berühmte Ärzte, Mathematiker, Physiker, Astronomen und Philosophen des Mittelalters kamen aus dieser Region, als in Europa noch das dunkle Mittelalter herrschte. An die Tradition der guten Bildung will Usbekistan wieder anknüpfen. Die Universitäten sollen auch für die Nachbarn offenstehen. „Wir wollen zum Hub für Bildung werden“, erklärt der Minister.

Schulen und Universitäten aus dem Ausland sind eingeladen, in Usbekistan Niederlassungen zu gründen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl privater Bildungsinstitutionen verdoppelt, von 43 auf 84. Die Bildung soll international werden, sowohl vom Personal als auch von den Inhalten. „Jedes private Bildungsinstitut ist in Usbekistan willkommen.“, erklärte Minister Schermatov.

Mit der Bildungsinitiative schafft Usbekistan eine Grundlage für seine junge Bevölkerung, sich auf dem internationalen Arbeitsmarkt einen Platz zu sichern. Für Unternehmen, die in der Region investieren, gibt es damit gute Aussicht auf qualifiziertes Personal.

Dr. Birgit Wetzel

Quelle: OstContact / 63-64 / 05/06 2019