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Ein Gelehrter, der gegen Ignoranz mit Aufklärung gekämpft hat

Zwecks Forschung des Lebens und des wissenschaftlichen Erbes unserer großen Vorfahren, wie Imam Bukhari, Imam Termizi, Imam Maturidi, Abu Muin Nasafi, Burkhoniddin Marghinoni und viele andere wurde auf Initiative des Präsidenten der Republik Usbekistan, Shavkat Mirziyoev, eine Reihe von wissenschaftlichen Forschungszentren in Usbekistan eingerichtet.
Ende des 9. und in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstanden den Quellen zufolge die meisten der vom wahren Weg des Gottes abgewichenen Gruppen und Sekten in der islamischen Welt aufgrund der zunehmend kontrovers diskutierten Überzeugungen.
Unter solchen schwierigen Umständen kam der große Mutakallim (Theologe) Abu Mansur Moturidi auf die Bühne und gab er klare und begründete Antworten auf Missverständnisse. Anhand der Lehren von Abu Hanifa, dem Gründer der hanafitischen Rechtsschule schuf er eine einzigartige Qalam-Schule.
Es ist erwähnenswert, dass eine eingehende Untersuchung dieses Bereichs eine wichtige Rolle beim Aufbau eines demokratisch-rechtlichen Staates in Zentralasien, insbesondere bei der Vermittlung des wahren Wesens des Islam an die Bevölkerung spielen wird. Es enthüllt auch die Ideen verschiedener irrtümlicher Strömungen, die heute in der Region verbreitet sind, und fordert die Menschen, insbesondere junge Menschen dazu auf, sich den Gefahren extremistischer Bewegungen bewusst zu werden.
Zwecks Verwirklichung der konzeptionellen Ideen des usbekischen Staatsoberhauptes in einem neuen Stadium der Entwicklung Usbekistans sowie zwecks Sicherung der Umsetzung der Roadmap für die Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Al-Azhar-Komplex wurde das Konzept der internationalen Konferenz „Imam Abu Mansur al-Maturidi und Maturidi-Schule: Vergangenheit und Gegenwart“ entwickelt. Dementsprechend findet die Konferenz vom 3. bis 5. März 2020 in Samarkand statt.
Als Veranstalter der Konferenz treten der Ausschuss für religiöse Angelegenheiten, das Internationale Imam-Bukhari-Forschungszentrum, das Zentrum für islamische Zivilisation, das Muslim Board Usbekistan, die Internationale Islamische Akademie Usbekistans und der Al-Azhar Complex (Ägypten) auf.
Ziel der Konferenz ist es, das Erbe von Imam Maturidi tiefer zu erforschen, die Essenz der Maturi-Lehren gegen destruktive Strömungen zum Vorschein zu bringen und Usbekistans Beitrag zur islamischen Zivilisation als Land großer Gelehrter breiter zu popularisieren.
Obwohl Quellen über Abu Mansur Maturidi, den Begründer der sogenannten Maturidi-Theologie und Mutakallim al-Kalam, der einen würdigen Beitrag zur Entwicklung und Reinheit des Islam geleistet hat, reichlich vorhanden sind, wissen die heutigen Jugendlichen kaum etwas über ihn. Unser Vorfahr Maturidi schrieb vor vielen Jahrhunderten, dass der Weg verschiedener destruktiver religiöser Bewegungen, die bis heute relevant sind, falsch sei.
Abu Mansur Muhammad ibn Muhammad ibn Mahmud Hanayafi Maturidi wurde 870 n. Chr. im Dorf Moturid in der Nähe von Samarkand geboren. Der Gelehrte erhielt seine Grundschulausbildung in diesem Dorf und fuhr dann seine Ausbildung in Samarkand, dem damaligen religiösen und pädagogischen Zentrum von Maverannahr fort. Informationen über Leben und wissenschaftliches Erbe von Abu Mansur Maturidi, insbesondere über seine Jugend, sind hauptsächlich in Werken mittelalterlicher Autoren wie Khatib Baghdadi, Abdulkarim Sa'd Samani, Abulfido Zayniddin Qasim ibn Qutlubgo, Muhiddin Qurashi, Kafawi, Abulmuin Nasafi und Hoji Khalifa überliefert.
Nach Angaben des bekannten Historikers Kafawiy und anderer Autoren sei Abu Mansur Motouridi in seiner Zeit als „Imamu-l-Allah“ (Imam, der den Rushdi führt) und Qudwat ahli-s-Sunnah wa'l-lahid (Vorbildperson für Ahl al-Sunnah), Ahl al-Sunnah wa'l-l-Jamaat, Rafi-a`lam von Ahli Sunnah wa-l-Jama'ah (die erhabene Flagge der Ahli Sunnah wal Jamaa'), Koli azolyu-l-fitna va-l-bid`a (Der Entwurzler von Aberglauben und abergläubischen Erfindungen), Imam al-Mutakallimin (Imam aller Mutakallimin), Musahhihu 'aqidhi-l-Muslim (Korrektor des Glaubens aller Muslime), Sheikh und Imam bekannt. Als großer Gelehrter habe er all diese hohen Titel verdient.
In Maverannahr war der Gelehrte für seine Qualitäten als Imam al-Hudo und Imam al-mutakallimiyn bekannt. Während seiner Zeit gab es in Mawarnnahr viele verschiedene Gruppen und Sekten, die meisten von ihnen infolge der Debatte über Glaubensfragen ans Licht kamen. Unter diesen schwierigen Umständen widerlegte Maturidi ihre Vorurteile.
Er gründete auch eine Kalam-Schule, die auf den Lehren von Abu Hanifa, dem Gründer der Hanafi-Denkschule, basiert. Die Maturidi-Schule des islamischen Rechtswissenschaftlers ging dann über die Samarkander Qalam-Schule hinaus und verbreitete sich in der gesamten islamischen Welt. Sie ist in der muslimischen Welt als eine der beiden großen sunnitischen Schulen (die zweite ist die Ash`ariya Schule) bekannt geworden.
Einen großen Einfluß auf Maturidi hatten Abu Bakr Juzjani und Abu Nasr Iyad. Maturidi lernte von seinen Mentoren nicht nur die traditionellen islamischen Kriterien, sondern beherrschte sie gründlich und analysierte sie konsequent.
Nach der Unabhängigkeit Usbekistans wurde eine gründliche Erforschung des reichen wissenschaftlichen Erbes der großen Denker zu einem dringenden Thema.
Der erste Präsident der Republik Usbekistan (Islam Karimov) sprach unter anderem Folgendes: „Unser Großvater Imam Maturidi, der im Mittelalter in einer sehr gefährlichen Situation sein Leben riskierte, ist ein Beispiel für den moralischen Mut. Daher wird er in der gesamten islamischen Welt als Verbesserer der religiösen Überzeugungen der Muslime geehrt. Es zeugt von hoher Kompetenz und Ausdauer dieser einzigartigen Person.“
Um den Namen von Imam Maturidi wiederzubeleben und das von ihm hinterlassene kulturelle Erbe tiefer zu erforschen, hat das Ministerkabinett der Republik Usbekistan im Jahr 2000 einen 3,5 Hektar großen Komplex und ein Mausoleum zum 1130. Jahrestag von Abu Mansur Maturidi errichtet.
Es ist darauf hinzuweisen, dass im Zuge der Restaurierung des Maturidi-Mausoleums einige Grabsteine von islamischen Gelehrten und Rechtswissenschaftlern an diesem Ort gefunden wurden. Diese liefern wichtige Fakten zur Erforschung unserer wahren Geschichte.
Abu Mansur Maturidi hat viele Werke über Fiqh und Tafsir geschrieben (ca. 15 Werke). Abul Mu'in Nasafiy ging auf die Werke von Maturidi zur Rechtsprechung ein und betonte besonders die Bücher “Ma'haz ash-Shari'a“ und “Kitab al-Jadal fi usul al-Fiqh“.
Bei dem Werk “Ta`wilat ahni-sunna“ handelt es sich mehr um Auslegung von Koranversen. Der Autor zitiert in seinem Werk solche Tendenzen damaliger Zeit wie Mutazila, Havorij, Karromiya, Jabariya und analysiert gründlich ihre Auslegungen von Koranversen sowie die Meinungen von Mushabbiha, Munajjima, Wahrsagern und dergleichen und gab begründete Ablehnungen.
Basierend auf sichere Beweise, kämpfte der Gelehrte mit seiner Weltanschauung und seinem gesunden Verstand gegen verschiedene Sekten und leistete einen unschätzbaren Beitrag zur Wahrung des echten islamischen Glaubens. Als Grundlage für die Tätigkeit von Maturidi bilden seine Werke zu verschiedenen Themen der Kalām-Lehre und die Ablehnung von moralischen und religiösen Überzeugungen verschiedener auf falschen Weg geratenen Strömungen.
Unter den Werken Maturidis über Kalam ist das Buch „Kitab At-Tawhid“ besonders wichtig. Das Werk beschreibt detailliert die Ansichten des Gelehrten gegen religiösen Fanatismus. 1970 druckte der ägyptische Gelehrte Fathullah Hulaif nach jahrelanger Forschung das Buch „Kitab At-Tahwid“ im Dar al-Mashriq Verlag in Beirut nach. Danach wurde es in muslimischen Ländern mehrfach veröffentlicht.
Maturidi glaubte, dass jeder Mensch für seine Handlungen verantwortlich sei, obwohl sein Schicksal von Gott bestimmt wird. Ihm zufolge wurde der Mensch für Lebensprüfungen geschaffen. Gleichzeitig hat der Mensch reichlich Gelegenheit, diese Tests erfolgreich zu bestehen und den richtigen Weg zu finden.
Die von unserem großen Vorfahren geschaffene Lehre wurde als eine der islamischen Schulen anerkannt. Es ist bemerkenswert, dass in meisten Regionen der islamischen Welt die Maturidi-Lehre an mittleren und höheren islamischen Religionsschulen immer noch als eigenständiges Fach unterrichtet wird.
Die großen Feierlichkeiten anlässlich des 1130. Jahrestages von Imam Maturidi in Usbekistan im Jahr 2000 gaben wichtige Impulse für die Entwicklung usbekischer Forscher in diesem Bereich. In den letzten 20 Jahren wurden wissenschaftliche Forschungen von Sh.Ziyodov, U.Uwatov, S.Okilov, I.Daminov, A.Muminov und anderen Wissenschaftlern zur Geschichte der Kalam-Wissenschaft, insbesondere zur Maturidi-Lehre, durchgeführt.
Zum Schluss ist noch anzumerken, dass die soziale Gerechtigkeit in unserem Land das Gefühl des Stolzes auf die Geschichte und Kultur des Islam, auf unser spirituelles und kulturelles Erbe sowie die Lehren unserer großen Denker, darunter auch Abu Mansur Maturidi, zurückgegeben hat.

Quelle: IA Dunyo
Übersetzung: Makhmud Bobonazarov