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Die Stellung der Frau in Usbekistan - Zahlen und Fakten

16.09.2019

Eine wichtige staatliche Priorität der Republik Usbekistan ist die Stärkung der Rolle und des Status der Frau im staatlichen und im gesellschaftlichen Leben. Die staatliche Politik zielt darauf, die Gleichberechtigung von Frau und Mann zu verwirklichen sowie gleiche Freiheiten und Chancengleichheit, wie sie in der Verfassung vorgesehen sind, zu sichern. Die Entwicklungsstrategie 2017 bis 2021 sieht weitreichende Maßnahmen zur Hebung des Bildungsniveaus und zur Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivitäten von Frauen vor. Sie will die Rolle der Frau in der staatlichen und öffentlichen Verwaltung, im Klein- und Privatunternehmertum stärken.

Im Februar 2018 wurde der Präsidialerlaß über Verbesserungsmaßnahmen im Bereich der Frauenförderung und der Stärkung der Familie verabschiedet. Dieser Rechtsakt begünstigt grundlegende Änderungen in der Arbeit des Frauenkomitees, verbessert dessen Organisationsstruktur und bestimmt die vorrangigen Tätigkeitsbereiche sowie die vieler Behörden und öffentlicher Institutionen.

Im Rahmen der Realisierung der im Präsidialerlaß festgelegten Aufgaben nahmen die zuständigen Ministerien und Behörden mehr als 20 umfassende Maßnahmenpläne zur Reform des Frauenkomitees und seiner Arbeit an.

Heute beweisen sich die Frauen Usbekistans in allen Lebensbereichen. Im Senat, das Oberhaus des Parlaments, sitzen 17 Frauen, im Unterhaus 15. 15 Frauen wurden bisher mit dem Titel „Held Usbekistans" geehrt. Die Akademie der Wissenschaften Usbe-kistans ist stolz auf ihre sechs weiblichen Akademiemitglieder, mehr als 500 Frauen tragen einen Doktortitel. In den örtlichen Legislativen liegt der Frauenanteil bei über 20 Prozent, sechs Prozent der Mit-glieder des Ministerkabinetts sind weiblich, von den Leitern der örtlichen Exekutiven sind rund 15 Prozent Frauen. In Führungspositionen von Ministerien, Behörden und Komitees beträgt der Frauenanteil über 10 Prozent, auf mittlerer Führungsebene sind es 24 Prozent. Heute sind im Justizwesen 1 200 Frauen in Führungspositionen tätig. 72 Prozent der Beschäftigten in den Bereichen Wissenschaft, Bildung, Gesundheit, Kultur und Kunst sind weiblich.

Um die soziale und politische Aktivität von Frauen zu fördern sowie ihre Rechte und Interessen zu schützen, wurden über 46 000 Büros des Frauenkomitees eröffnet. Mehr als 9 000 Frauen arbeiten in den Mahallas (selbstverwaltete Organisation in den Stadtteilgemeinschaften, die soziale und gesellschaftliche Funktionen hat) und sind spezialisiert auf die Arbeit mit Frauen sowie auf die Wahrung geistlicher und moralischer Werte.

2080 Frauen wurden mit hohen Auszeichnungen wie etwa „Verdiente Wissenschaftlerin Usbekistans“, „Volksdichterin Usbekistans“, „Volkslehrerin Usbekistans“ und „Volkskünstlerin Usbekistans“ geehrt. Mehr als 310 talentierte Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 30 Jahren erhielten den Sulfija-Staatspreis. Dieser Preis wird seit 1999 verliehen und ist nach der bekannten usbekischen Dichterin Sulfija Isroilowa (1915 bis 1996) benannt. Um Frauen auszuzeichnen, die aktiv und initiativ im gesellschaftlichen und staatlichen Leben waren und einen würdigen Beitrag zur Stärkung der Familien sowie zum Schutz von Mutter und Kind geleistet haben, wurde das Ehrenabzeichen „Mutabar ajol“ eingeführt. Seit dem 1. April 2018 erhielten bereits 290 Frauen diese Auszeichnung.

In den 14 Regional- sowie den 200 Bezirks- und Stadtbezirksabteilungen des Frauenkomitees wurde eine Personalreserve für Führungskräfte gebildet. Das Frauenkomitee Unterzeichnete mit den politischen Parteien Memoranden und verabschiedete Aktionspläne für 2018 und 2019 mit dem Ziel, praktische Maßnahmen zur sozialen und rechtlichen Unterstützung von Frauen sowie zur Steigerung ihrer sozialen und gesellschaftspolitischen Aktivität umzusetzen. Das Frauenkomitee von Usbekistan führt in Zusammenarbeit mit der Akademie für öffentliche Verwaltung Schulungen im Bereich Management und Führungskräfte durch. Bisher wurden 120 geschulte Frauen für Führungspositionen empfohlen, mehr als 320 bereiten sich auf ihre Kandidatur bei der Parlamentswahl in diesem Jahr vor.

Mit der Zentralen Wahlkommission wurde vom Frauenkomitee ein Memorandum zur Verbesserung der Wahlkompetenz von Frauen sowie der Vermittlung der Bedeutung von Wahlen und der Tätigkeit künftiger weiblicher Abgeordneter unterzeichnet. Landesweit fanden mehr als 330 Treffen unter dem Motto „Fang an, werde Abgeordnete“ statt.

Mit dem Ziel, das wissenschaftliche, technische und intellektuelle Potential von Frauen allseitig zu fördern, wurde zusammen mit dem Frauenkomitee der Verband der Erfinderinnen Usbekistans gegründet.
Um die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken und talentierte Frauen zu identifizieren, die zur sozioökonomischen Entwicklung des Landes beitragen und die ihre Erfahrungen verbreiten wollen, veranstaltet das Frauenkomitee alljährlich den landesweiten Wettbewerb „Frau des Jahres“.

In jedem Unternehmen, jeder Organisation, jeder Mahalla und jeder Bildungseinrichtung wurde der Mädchenklub „Qizlarjon“ organisiert. Hier können sich Mädchen über Ereignisse im In- und Ausland, inklusive geschlechtsspezifischer Fragen, informieren und austauschen, zudem können sie lernen, an der Lösung öffentlicher und politischer Fragen aktiv teilzunehmen. „Qizlarjon“ zählt heute 2,5 Millionen Mitglieder.
Das Frauenkomitee organisierte im letzten Jahr 1330 Informations- und Bildungsveranstaltungen, in denen Frauen über ihre uneingeschränkten, freien und demokratischen Rechte und ihre Gleichberechtigung gegenüber den Männern am politischen und öffentlichen Leben des Landes informiert wurden.

Per Präsidialerlaß wurde unter Aufsicht des Senatsvorsitzenden des Olij Madschlis (Oberhaus des Parlaments) die Kommission zum Schutz der Gleichstellung der Frauen gebildet. Zu ihren Hauptaufgaben zählt unter anderem die aktive Teilnahme an der Umsetzung der staatlichen Genderpolitik, die die Gleichstellung der Geschlechter und Verbesserung der sozialen Bedingungen der Frauen im Land vorsieht.

Erarbeitet und veröffentlicht wurde der Gesetzentwurf „Über die Gewährleistung der Gleichberechtigung und der Chancengleichheit von Männern und Frauen“.

Usbekische Frauen in der Wirtschaft

2018 wurden über 130000 neue Frauenarbeitsplätze geschaffen, darunter 30000 Arbeitsplätze in Fabriken und Unternehmen, 8679 in Kleinunternehmen, 62335 in der Seidenproduktion, 8967 in Familienunternehmen, 3664 Telearbeitsplätze und 18623 in anderen Bereichen.

Im ersten Quartal 2019 wurden 40000 neue Frauenarbeitsplätze geschaffen. Bisher wurde fast 30000 Frauen ein Arbeitsplatz vermittelt. Im ersten Quartal 2019 haben mehr als 5000 Frauen eine unternehmerische Tätigkeit aufgenommen und wurden mehr als 10000 Frauen eingestellt.

Auf Initiative der örtlichen Büros des Frauenkomitees wurden 500 kleine Konditoreien, Näh- und andere Betriebe (Werkstätten) gegründet, in denen mehr als 3 700 Frauen eine Festeinstellung bekamen.

Frauen sind bei der Handwerksausbildung auf dem Vormarsch. 1500 Frauen sind in der Handwerksbranche tätig und mehr als 1300 Frauen in der Teleheimarbeit. Mit Unterstützung der Frauenkomitees wurden annähernd 300 private Kindertagesstätten gegründet, mit denen 1000 neue Frauenarbeitsplätze geschaffen wurden.

In den Jahren 2019 bis 2022 sollen landesweit 295 Näh- und Strickereien in Betrieb genommen werden, die insgesamt 43 000 Frauen beschäftigen werden. In den bestehenden Werkstätten arbeiten bereits 3 300 Menschen.

Darüber hinaus sind mehr als 5000 Frauen in der Landwirtschaft aktiv. Im Rahmen des Kooperationsprogramms mit dem Verband „Uzbekipaksanoat“ arbeiten in der Frühjahrs- und Sommersaison etwa 350000 Frauen in der Seidenraupenfütterung.

Das Frauenkomitee hat ein gezieltes Beschäftigungsprogramm für junge sozialbedürftige Frauen entwickelt. So fanden 2018 10000 Frauen einen Arbeitsplatz. In diesem Jahr sollen weitere 13 000 sozialbedürftige Frauen in Arbeit vermittelt werden.

Um die unternehmerischen Fähigkeiten von Frauen zu fördern und ihr Interesse an einem eigenen Business zu wecken, wurden in Partnerschaft mit der Zentralbank Usbekistans, der Industrie- und Handelskammer, dem Bankenverband und dem Verband der Geschäftsfrauen 167 Seminare abgehalten, in denen 22190 Frauen geschult wurden. Frauen, die eine unternehmerische Schulung absolviert haben, können Mikrokredite in Höhe von 100 Milliarden Sum (etwa 10000 Euro) pro Jahr in Anspruch nehmen.

Es werden vom „Öffentlichen Fonds zur Unterstützung von Frauen und Familien“, der aus dem Staatshaushalt finanziert wird, Gründerzentren für Frauenunternehmertum geschaffen. Ziel ist, die unternehmerischen und handwerklichen Aktivitäten von Frauen, einschließlich des Familienunternehmertums, zu fördern.

Die Hauptaufgabe der Zentren ist die zielgerichtete Umschulung von Frauen entsprechend der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus sollen die Zentren Frauen, die lange im Mutterschaftsurlaub waren, auf die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt vorbereiten. Außerdem bieten die Zentren fachliche Beratung bei der Ausarbeitung von Geschäftsideen.

Das Frauenkomitee spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung und Bewahrung jahrhundertealter Frauenhandwerke wie die Web-, Stick- und Nähkunst.

In Kooperation mit dem Gewerkschaftsbund wird kontinuierlich an den Arbeitnehmerinnenrechten gearbeitet. Im 1. Quartal 2019 wurde eine Reihe von Veranstaltungen zu diesem Thema organisiert.

Gezielte Sozialhilfe

Um gezielte Maßnahmen zum sozialen Schutz von Frauen in Usbekistan umzusetzen, wurde der „Öffentliche Fonds zur Unterstützung von Frauen und Familien“ gegründet.

Vor Ort wird daran gearbeitet, Frauen, die sich in einer schwierigen sozialen Situation befinden und auf Hilfe angewiesen sind, insbesondere Frauen mit Behinderungen und alleinerziehende Mütter, erschwinglichen Wohnraum anzubieten. Bis heute zahlte der Fonds erste Wohnbaubeiträge in Höhe von insgesamt 54,58 Milliarden Sum für 1700 Frauen. 2019 wird im Rahmen des Programms Wohnraum für 1 600 bedürftige Frauen bereitgestellt.

Im ersten Quartal 2019 erhielten 980 Frauen Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel, Gehhilfen und Hörgeräte.

Zu Rehabilitationszwecken wurden Gutscheine in Höhe von insgesamt einer Milliarde Sum für 260 Frauen zur kostenlosen Behandlung in Kliniken und Sanatorien des Landes ausgegeben.

Nargis Saidalijewa, Nachrichtenagentur „Dunyo“, Taschkent

Quelle: Wostok-Magazin, Nr.2 - 2019