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Kulturerbe: Geheimnisse der „Chust“-Tubitjekas

Das Duppi oder die Tjubetejka ist eine traditionelle Kopfbedeckung Völker Zentralasiens. Die Geschichte von Tjubetejka geht in Jahrhunderte zurück. Die Kunstwissenschaftlerin I. Bogosolowskaja behauptet, dass die hohe künstlerische Qualität und ornamentale Muster der Stickerei einen langen Weg der Entwicklung dieser Art der Volkskunst beweisen. Indirekte Bestätigung der Existenz der Kopfbedeckung in der Antike, die Tjubetejka ähnelt, sind in der Skulptur, Wandmalereien, Terrakotta-Figuren im östlichen Miniatur des XV-XVI Jahrhundert zu finden.

Die Form, die Besonderheiten des Musters, die Farbe der Stickerei und der Zweck der Tjubetejka unterscheiden sich je nach ethnischer und territorialer Zugehörigkeit – Taschkent, Fergana, Samarkand, Buchara, Kaschkadarya, Surkhandarya, Chorezm, Karakalpakstan, sowie verschiedene Arten: Männer, Frauen, Kinder und für ältere Männer. Ältere Frauen trugen keine Tjubetejka.

Der Höhepunkt in der Entwicklung der Herstellung von Tjubetejkas als eine Art von Nationaltracht war das Ende des 19. - Mitte 20. Jahrhunderts, als die Tjubetejka in erster Linie eine künstlerische und ästhetische Funktion zu tragen beginnt. Bis zum 20. Jahrhundert waren Form, Farbe und Ornamentik von Tjubetejkas spezifisch für jede ethnische Gruppe: jede Region hat ihren eigenen Stil entwickelt, es gab einige ornamentale Motive jeder Region. Zur gleichen Zeit, begann Tjubetejka unter dem Einfluss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Veränderungen im Alltag der Menschen in Zentralasien zu ändern: die Meister begannen neue Stoffe, farbigen Fäden und künstliche Farbstoffe zu verwenden. Gleichzeitig beginnt sich allmählich die Form der Kopfbedeckung zu ändern. Wenn es zunächst kegelförmig war, ab den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Form vielfältiger: spitzig, halbkugelig, rund und quadratisch. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden Tjubetejkas ausschließlich von Männern gestickt, aber später wurde dieses Handwerk von Frauen übernommen.

Die am häufigsten wird in Usbekistan Männer-Tjubetejkas aus der Stadt Chust getragen. Chust-Tjubetejkas unterscheiden sich mit der doppelten Höhe von Andijan-Tjubetejkas, beide werden im Ferganatal produziert. Im Wesentlichen sind die oberen und seitlichen Muster verschieden.

„Stickerei auf Tjubetejkas ist nicht nur eine schöne Dekoration, es ist auch ein gutes Lehren dem Besitzer für die Zukunft“, – versichert eine Meisterin aus Chust. Zum Beispiel, die mit weißen Faden gestickten Muster auf Tjubetejkas versprechen Reichtum, schützen vor dem bösen Blick und führen Feinde irre. An den Tjubetejkas können nicht nur heilige Ansichten der alten Völker, sondern auch die Lebensweise, die Kultur und die Traditionen der modernen Usbekistan zurückverfolgt werden. Deshalb ist es so persönlich und besondere Sache geworden, dass man Tjubetejkas nur den engsten Menschen oder lieben Gästen schenkt.

Seit alten Zeiten ist die Ortschaft Chust mit ihren Handwerkern und Tjubetejka-Meisterinnen berühmt. Heute beherrschen Schülerinnen der Kollegs aus Chust erfolgreich dieses Handwerk, schon mit 16 beginnen sie wahre Meisterwerke der nationalen angewandten Kunst zu schaffen. Großen Wert geben die Chust-Meisterinnen auf das Material, die für die Kopfbedeckung verwendet werden. Hauptsächlich verwendet man nur Seidenfaden zum Stickerei. Der Basisstoff von Tjubetejkas kann variiert werden – Kamelwolle, Velvetkord, Samt, Satin. Die Hauptsache ist die Technologie zu beachten und natürlichen und gut luftlässigen Stoff zu wählen.

Die Herstellung von Duppi erfolgt in mehreren Stufen. Unter Betreuung von einer erfahrenen Meisterin erfüllen mehrere junge Frauen ihren Teil der Arbeit: eine schneidet die erforderlichen Details aus, die andere stickt obere Muster, mittlerweile breitet die dritte dichte Basis vor und die vierte verbindet alle Teile zu einer ganze Tjubetejka. Die letzte Etappe wird von Männern übernommen, sie geben Duppi durch Drücken der traditionellen Form.

Die Beobachtung des Herstellungsprozesses der nationalen Tjubetejkas ist ein Vergnügen. Das ist unglaublich, wenn eine Klappe des gewöhnlichen dunklen Tuchs und ein paar Spulen der weißen Faden zu einem wahren Meisterwerk der angewandten Kunst verwandelt. Die Arbeit von Chust-Meisterinnen geht immer gut voran. Denn sie kommen oft zusammen, tauschen sich aus und arbeiten an neuen Modellen der Tjubetejkas. Gute Laune und Spaß an der Arbeit sind Schlüssel für eine schöne Schöpfung.

Alle wichtigen Besonderheiten und Merkmale von Chust Tjubetejkas wurden von vielen Generationen von Meistern gefunden und verarbeitet. Die beliebten Muster sind gestickte Mandel oder vier Chilischoten (Kalampir), die im Osten als Symbol des Lebens und Schutz von dem bösen Blick dienen. Man denkt, dass scharfe Chilis böse Geister abschrecken, und vier Chilischoten den Kopf des Mannes von vier Himmelsrichtungen schützen. Unten hat die Tjubetejka einen Rand mit Seidenband, oberhalb deren die Kopfbedeckung mit dem Muster mit weißem Faden bestickt ist. Diese Muster symbolisieren Reichtum und Lebenskraft.

Jede Meisterin kennt ornamentale Motive Tjubetejkas auswendig, aber sie bereichert sie auch mit eigenen Mustern, ohne dabei die Bedeutung der Ornamente zu ändern.

Das Symbol der Ehre

„Geist, Ehre und Gewissen eines Mannes beruht in seiner Tjubetejka“ - sagt ein usbekisches Sprichwort. Es überrascht nicht, wenn man durch die Basare jeder Stadt im Fergana Tal geht, kann man beobachten, dass fast jeder Mensch eine Tjubetejka auf dem Kopf trägt.

„Duppi ist ein sehr praktischer Hut, ohne den ich seit vielen Jahren nicht rausgehe“, sagte der Rentner aus Namangan, Bahromshon Aliyev. – „Duppi schützt vor den Strahlen der Sonne im Sommer und hält in der Kälte warm. Wie man bei uns sagt, ein Mann mit der Tjubetejka sieht immer schick aus."