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Geschichte durch die Jahrhunderte

15.09.2017

Im vergangenen Jahr wurde ein Faksimile eines einzigartigen Manuskripts –"Tarih-i Azizi" ("Die Geschichte von Aziz") von Mulla Aziz Marginani, das im Institut für Orientalistik der Akademie der Wissenschaften der Republik Usbekistan aufbewahrt wird, veröffentlicht. Es ist ein Spiegelbild der langjährigen Lebenserfahrung des Autors. Im Buch schreibt der Autor seine gemischten Gefühle – über seine Heimatliebe und seine Sorgen um sie. Die vielfältige Arbeit des historisch-memoirischen Genres umfasst die Zeit vom Mittelalter bis zur Zareneroberung in Zentralasien. Im Allgemeinen werden Ereignisse im Zusammenhang mit dem politischen, sozialen, wirtschaftlichen Leben Zentralasiens vom Ende des XIX. bis Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben.

Der Autor hat versucht, seine Arbeit in der Nachahmung von klassischen Werken muslimischer Historiker aufzubauen.

Anders als die Werke der örtlichen Autoren über die Geschichte von Kokand, ist dies eine vielfältige Sammlung. Es besteht aus klassischen Texten und Erzählungen von zeitgenössischen Ereignissen, heilige und mündliche Geschichten, Geschichten über Heilige sowie Legenden im Namen des Autors und seiner Informanten.

Heute gibt es sehr wenige Informationen über das Leben von Mulla Aziz Marginani. Forschungen einiger autobiographischer Notizen des Manuskripts, wie auch anderer wissenschaftlicher Literatur, lassen eine Vorstellung von ihm zu bekommen. Sein vollständiger Name nach eigenen Aufzeichnungen ist Aziz bin Mulla Muhammad-Riza Marginani. Geburts- und Sterbedaten sind unbekannt. Die Beschreibungen in der Arbeit lassen davon ausgehen, dass der Autor in der Mitte des 14. Jahrhunderts geboren wurde. Darüber hinaus erfährt man aus autobiographischen Bemerkungen, dass er „aus Margilan herkommt, alle seine Vorfahren auch in Margilan lebten“ und sie waren von dem Stamm berühmter Theologen, die dem Kokand-Herrscher Alimkhan dienten.

Mulla Aziz schreibt keine direkten und genauen Informationen über sich selbst in seiner Arbeit. Er konzentrierte sich hauptsächlich auf die Beschreibung der zeitgenössisch

Mulla Aziz schreibt keine direkten und genauen Informationen über sich selbst in seiner Arbeit. Er konzentrierte sich hauptsächlich auf die Beschreibung der zeitgenössischen Situation und der inneren Erlebnisse. Marginani erwähnte gewisse Daten aus seinem Leben nur im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen, die er selbst erlebt hatte. In diesem Kontext findet man heraus, dass er einer der gebildetsten Menschen seiner Zeit war, genügend Eigentum besaß und viele Kinder hatte. Er musste in Buchara studieren, aber wegen des Cholera-Ausbruchs in diesen Gebieten, kehrte er nach Kokand zurück, um seine Ausbildung fortzusetzen.

Nach der Bildung des Landkreises Margilan diente er in örtlicher Verwaltung als Mirza (offizieller Briefschreiber) von 1876 bis 1900. Eine lange Zeit ging er zu Fuß zu seiner Arbeit, von der alten Stadt in Neu- Margilan (Fergana). Ihm zufolge schrieb er an einem Tag Briefe in der Menge von etwa einem Buch und musste sich oft sogar auch nachts um die Angelegenheiten der Verwaltung kümmern. Die harte Arbeit blieb nicht ohne Folgen – sein Sehvermögen hat sich stark verschlechtert. Seine harte Arbeit wurde nicht geschätzt. Er schrieb den Behörden Briefe im Namen bedürftiger und armer Petenten, und auf dieser Grundlage entstand ein Konflikt mit einem Assistenten des Bezirksvorstehers, auf dessen Empfehlung Marginini aus dem Amt entlassen wurde. Das alles fuhr ihm in die Knochen. Sein Seelenschmerz und die Unzufriedenheit gegenüber seinem Dienst, den er viele Jahre ausübte, drückt er in Form von Appelln für Gerechtigkeit aus.

In der wissenschaftlichen Literatur wird die Arbeit heutzutage als "Tarih-i Azizi" und als "Tasnif-i Gharib" bezeichnet. In den ersten drei Kapiteln gibt Marginani Informationen über verschiedene Dynastien und berühmte Persönlichkeiten, über Städte und ihre Geschichte. Er schreibt über Dschingis Khan, die Epoche von Amir Temur und seine Nachkommen, Fakhriddin Razi, Ibn Sina und viele Heiligen. Die Schreibweise ändert sich jedoch in den 4. und 5. Kapiteln, die den Kokand-Herrschern gewidmet sind. Der Autor wechselt zu einer systematischeren Darstellung von Ereignissen hinüber, zu denen seine Haltung ausdrückt. Der Teil über die Abschaffung des Khanats, sozioökonomische Veränderungen der Zarenmacht wurden ausschließlich auf der Grundlage von Beobachtungen von Mullah Aziz selbst geschrieben. Der Verfasser diskutiert an einigen Stellen mit den Lesern über die Land- und Wasserreform und deren Gebrauch und Schaden, die von der neuen Regierung durchgeführt wird.

Von besonderer Bedeutung sind die Informationen über Personen, die im politischen Leben der Völker Zentralasiens bemerkenswerte Spuren hinterlassen haben, zum Beispiel Alikuli Amir-lashkar oder Muhammad-Yakubbek Badavlate. Die letzten Kapitel beschreiben im Detail die Ereignisse im Zusammenhang mit antiimperialen Aufführungen von Mamur Munduz, Pulatkhan und Dukchi-Ishan. Gleichzeitig zeigt Aziz Marginani ein gutes Verständnis des besonderen Verhältnisses des russischen Reiches mit Turkestan. Er lebte zwischen zwei Epochen, und die Veränderungen um und im Verhalten der Menschen verursachten persönliche Unannehmlichkeiten und andere Gefühle.

Der Autor hat den Großteil der Arbeit in den Jahren 1907-1908 abgeschlossen. Dann blieb das Buch aus unbekannten Gründen unveröffentlicht. Ein paar Jahre später ergänzte er es und brachte danach in Buchform. Die vorhandenen Fakten bestätigen nur diese Version. Nach der Idee des Autors sollte die Arbeit aus fünf Kapiteln, 166 Abschnitten und 436 Seiten bestehen. In der Tat umfasst es mehr als sechs Kapitel und 438 Seiten.

In den Ereignissen am Ende des Manuskripts figuriert das Jahr 1912, das bedeutet, dass Aziz Marginani damals noch lebte. Allerdings schreibt eine bekannte Persönlichkeit - Ahmad Zaki Validi, der in den Jahren 1913-1914 Fergana besucht und Information über diesen Werk erstmals veröffentlicht hat, über das Manuskript, aber nicht über seinen Autor. Dies deutet darauf hin, dass Mulla Aziz damals schon verstorben war.

Von Forschungen ausgehend ist es festzustellen, dass es sich um eine Entwurfsversion der Arbeit handelt. Offensichtlich brauchte das Buch Ergänzungen und Verbesserungen, aber die schlechte Gesundheit des Autors zwang ihn scheinbar sie zu verschieben oder er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben.

Man wünscht sich, die Aufmerksamkeit von verschiedenen Spezialisten auf einige Aspekte dieser sehr interessanten Arbeit zu gewinnen. Wegen der verschiedenen und wichtigen Daten kann das Manuskript eine sehr nützliche Quelle für Wirtschaftshistoriker jener Zeit, Ethnologen, Islamwissenschaftler und Genealogen werden.