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DIE MA’MUN AKADEMIE VON CHORESM

28.04.2017

Wie allgemein bekannt, werden alle in der Entwicklung der Gesellschaft geschehenen Veränderungen und Neuerungen, alle die Entwicklung der Menschheit stark beeinflussenden und diese überaus fördernden Ereignisse, alle bedeutenden Entdeckungen und Erfindungen durch die Erfolge in der Wissenschaft ins Leben gerufen.

In der Geschichte Mittelasiens ist die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert durch eine Hochentwicklung und Blüte auf den Gebieten der Kultur, Kunst und Wissenschaft gekennzeichnet. Insbesondere die an der Großen Seidenstraße gelegenen alten und weltweit bekannten Städte wie Samarkand, Buchara und Choresm erfüllten nicht nur die Funktion großer Handelszentren, sondern auch die eines Treffpunkts von Vertreter der Wissenschaft und damit die Funktion einer Brücke in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Eine besondere Rolle in der alten Geschichte, der Wissenschaft, der Kultur und der Entwicklung der einzigartigen Traditionen der Baukunst Usbekistans spielt zweifellos die Stadt Choresm. Choresm liegt am Unterlauf des Amudarya vor seiner Mündung in den Aralsee. Es ist ein Ort mit einer uralten Geschichte. In sehr alten historischen Quellen wird die Gründung eines Staates „Khwarizm (Groß-Choresm)" erwähnt. In diesem Sinne sollte man die Geschichte dieses Staates in einer Reihe mit den alten Zivilisationen Ägyptens, Chinas, Indiens, Griechenlands und Irans betrachten.

In der Geschichte von Choresm können wir alle Etappen des Werdens und der Entwicklung vieler Völker verfolgen, die hier eingewandert waren und sich hier angesiedelt hatten. Es bestanden fruchtbare Kontakte mit den Nachbarregionen auf den Gebieten des Handels und der Kultur, insbesondere im Bereich des Schrifttums, der Bildung, der Wissenschaft, der Kunst und der Religion.

Am Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts widmeten die in Choresm regierenden Schahs Abu Ali Ma‘mun, Ali ibn Ma‘mun und Abu 1-Abbas Ma‘mun ibn Ma‘mun der Förderung der Kultur, der Sicherstellung der Entwicklung der Wissenschaft, dem Aufblühen des Landes und dem Wohlstand des Volkes eine besondere Aufmerksamkeit.

Auf dieser Weise entstand im Jahre 1004 in Gurgentsch, der Hauptstadt von Choresm, die sogenannte "Dar al-hikma wa-l-ma'arif' (in einigen Quellen auch angegeben als "Madschlis al-ulama"), eine wissenschaftliche Gemeinschaft, die von den Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts als " Ma‘mun Akademie" bezeichnet wird. An der Ma‘mun Akademie wurden ebenso wie an der Platonischen Akademie in Athen und an der "Bait al-hikma" in Bagdad in allen Bereichen der Wissenschaft Forschungen und Untersuchungen durchgeführt.

Die Gelehrten der Ma‘mun Akademie untersuchten die wissenschaftlichen Errungenschaften Griechenlands, des Nahen und Mittleren Ostens sowie Indiens von einem schöpferischen und kritischen Standpunkt aus und hoben sie auf ein noch höheres Niveau. Mit Hilfe ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit und Werke haben die Leistungen des alten Choresm in den bildenden Künsten, in der Astronomie, Mathematik, Literatur und Bewässerungskultur ihren würdigen Platz in dem Fundus der Weltliteratur eingenommen.

In Folge eines tödlichen Attentats auf Ma‘mun II im Frühling des Jahres 1017 wurde die Tätigkeit der Ma‘mun Akademie in Choresm beendet. Trotz ihres kurzfristigen Bestehens, nämlich bis zum Jahre 1017, wurden in der Ma‘mun Akademie neben den naturwissenschaftlichen Fächern wie Astronomie, Mathematik, Heilkunde, Chemie, Erdkunde und Mineralogie auch die Sozialwissenschaften Geschichte, Philosophie, Literatur, Sprach- und Rechtswissenschaften und andere weiterentwickelt.

An der Akademie waren hauptsächlich folgende Gelehrte tätig: Abu Nasr Mansur ibn Ali ibn Iraq al-Dschadi (gest. 1034), Abu 1-Khair ibn Khammar (941 -1048), Abu Sahl Isa ibn Yahya al-Masihi al-Dschurdschani (970-1048), Abu Raihan Muhammad ibn Ahmad al-Biruni (973-1048), Abu Ali al-Husain ibn Abdallah ibn Sina (980-1037), Abu Ahmad ibn Muhammad ibn Yaqub ibn Miskawaih (gest. 1030), Abu Mansur Abd al-Malik ibn Muhammad ibn Isma'il ath-Tha'alibi an-Naisaburi (961-1038), Ahmad ibn Muhammad as-Sahri (gest. 1015), Abu Ali al-Hasan ibn Harith al-Hububi al-Khwarizmi (10.-11. Jh.), Abu Abdallah Muhammad ibn Hamid al-Khwarizmi (10.-11. Jh.) u.a.

Die Ma‘mun Akademie war für eine kurze Zeit tätig, trotzdem ist ihre Rolle bei der Bildung zahlreicher Wissenschaftler und Gelehrter, die der Entwicklung der Wissenschaft nicht nur in der muslimischen Welt, sondern auch der gesamten Welt beigetragen haben, zweifellos sehr bedeutend. Darunter befinden sich berühmte Namen wie Mahmud az-Zamakhschari, Sulaiman al-Baqirdschani, Mahmud al-Dschaghmini, Nadjm ad-Din Kubra und Pahlawan Mahmud u.a.

Von den ersten Tagen der Unabhängigkeit an hat die Regierung von Usbekistan eine besondere Aufmerksamkeit auf die Wiederherstellung und Entwicklung des im Laufe der Jahrhunderte entstandenen geistigen und kulturellen Erbes gerichtet. Insbesondere gilt der Erlass des Präsidenten der Republik Usbekistan vom 11. November 1997 über die "Wiedererrichtung der Ma‘mun Akademie von Chores" als ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der wissenschaftlichen Kompetenz Usbekistans, zur Stabilisierung seines Platzes in der Gemeinschaft der Weltwissenschaft, zum Förderung der Wissenschaft in den Regionen sowie zur Unterstützung talentierter und motivierter Gelehrter.

Zu den wesentlichen Hauptrichtungen der Ma‘mun Akademie zählen:

Studie der Geschichte des alten Staatswesens, der einzigartigen Zivilisation und Kultur von Choresm,

Beleuchtung der Rolle der auf diesem alten Gebiet fortgeschrittenen reichen wissenschaftlichen Befähigungen in der Entwicklung der Weltwissenschaft und -kultur,

Erarbeitung wissenschaftlicher Grundsätze zum Schutz der Baudenkmäler von Choresm vor biologischen, physischen und anderen negativen Einflüssen,

Durchführung regelmäßiger wissenschaftlicher Beobachtungen über die ökologische Lage der Region und Empfehlungen zwecks ihrer Verbesserung,

Vernünftige Benutzung von vorhandenen Boden- und Wasserressourcen,

Erarbeitung eines erfolgreichen Systems zur Erhöhung der Fruchtbarkeit des Bodens,

Erforschung der Aufgaben zur Vorbeugung der Versalzung und Desertifikation durch Akklimatisation landwirtschaftlicher Pflanzen an die Bodenklimabedingungen der Oase von Choresm.

Im Jahr 2006 wurde in Usbekistan das 1000-jährige Jubiläum der Ma‘mun Akademie von Choresm unter der Mitwirkung der UNESCO gefeiert, was auch für die Anerkennung der Akademie im internationalem Maßstab spricht.

Vor kurzem, am 14. April 2017, hat das Ministerkabinett der Republik Usbekistan eine Verordnung „Über die zusätzlichen Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Vervollkommnung der Tätigkeiten der Ma‘mun Akademie von Choresm“ verabschiedet.

Laut dieser Verordnung strebt die Ma‘mun Akademie von Choresm eine Zusammenarbeit mit den Akademien, Forschungszentren, und -institutionen sowie Universitäten der hochentwickelten Staaten, darunter der Bundesrepublik Deutschland in den verschiedenen Bereichen an.

Die festgelegten Arbeiten und umgesetzten Maßnahmen zur Entwicklung der von der Regierung Usbekistans wiederhergestellten Ma‘mun Akademie von Choresm sind ein hervorragendes Beispiel für die Achtung des reichen wissenschaftlichen und kulturellen Erbes des usbekischen Volkes.