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Der Pharmamarkt Usbekistans: Reduzierung der Importabhängigkeit

10.04.2017

Von Mukabbat Askarova

Usbekistans Pharmaindustrie hat in den Jahren der Unabhängigkeit deutliche Fortschritte gemacht. Im Jahr 2015 produzierte die Branche im Land Erzeugnisse für etwa 270 Millionen US-Dollar. Damit konnte ein Grad der Selbstversorgung von 23 Prozent erreicht werden. Hinsichtlich der Verpackungen liegt die Kennziffer bereits bei 51 Prozent. Dieser Trend wird sich, nicht zuletzt dank staatlicher Förderung, in den nächsten Jahren fortsetzen. Generell werden als die wichtigsten Trends für den Pharmasektor Usbekistans heute folgende Entwicklungen prognostiziert:

• Steigerung des Anteils der lokal produzierten Arzneimittel auf dem usbekischen Markt
• Modernisierung der Fertigungskapazitäten der usbekischen Pharmaindustrie
• Ausbau der wissenschaftlich-technischen und innovativen Grundlagenforschung für die Entwicklung und Markteinführung neuer Arzneimittel auf der Basis lokal produzierter Wirkstoffe
• Erhöhung des Lokalisierungsgrades der Pharmaindustrie durch die Verwendung einheimischer Wirkstoffe und Verpackungsmaterialien
Verbreitung internationaler Standards
• Erschließung von Exportmärkten.

Im Vergleich zu 2010 ist die Anzahl einheimischer Pharmahersteller von 108 auf 147 Betriebe angestiegen (+36 Prozent). Die Hauptstadt Taschkent spielt dabei eine zentrale Rolle und ist Sitz von etwa der Hälfte aller in diesem Bereich tätigen Unternehmen. Sieben Forschungsinstitute arbeiten für die Pharmabranche. Die Liste prodizierter Arzneien verlängerte sich von 970 auf 1.471 (+52 Prozent). Dabei entfallen 30 Prozent auf tabletten, 28 Prozent auf Ampulen und 17 Prozent auf Pulver.

Das Gesundheitsministeruium hat 2013 auf der Basis internationaler Standadrs der Europäischen Union und Russlands sowie Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation über die Agentur „Uzstandard“ nationale Standards etabliert. Das betrifft die Rubriken GMP (Good Manufactoring Practice), GDP (Good Distribution Practice), GSP (Good Storage Practice), GCP (Good Clinical Practice) und GLP (Good Laboratory Practice). Daruber hinaus entsprechen bereits 32 Unternehmen in noch größerem Umfang internationalen Vorgaben und verfügen über eine ISO-9001-Zertifizierung. Unter den an der Spitze dieser Entwicklung stehenden Unternehmen befinden sich sowohl lokale Firmen wie Pharmed oder Dentafill Plus als auch internationale Gemeinschaftsunternehmen mit Beteiligungen aus Indien, China sowie auch Frankreich und Deutschland, wo die Hamburger Firma AXXO in ihrem Joint Venture „UzGerMedPharm“ erfolgreich mit usbekischen Partnern kooperiert.

Das Entwicklungsprogramm für den Zeitraum von 2015 bis 2019 umfasst 23 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 137,5 Millionen US-Dollar. Im Mittelpunkt stehen dabei Medikamente zur Behandlung von Hormonstörungen, Herz- und Kreislaufkrankheiten, Krebs sowie Augenerkrankungen. Bei der Umsetzung dieses Programms peilt Usbekistan Auslandsinvestitionen in Höhe von 68,4 Millionen US-Dollar an. Die Wirtschaftspolitik gewährt der Branche seit Jahren Vorzugskonditionen, um mithilfe der Gewinnung ausländischer Investoren die Herstellung von Medikamenten und medizinischer Verbrauchsartikel vor Ort zu fördern und die Importabhängigkeit zu reduzieren. Auf der Grundlage entsprechender gesetzlicher Änderungen und präsidialer Weisungen genießen ausländische Unternehmen in Abhängigkeit von der Höhe ihres Engagements in Usbekistan für drei bis sieben Jahre Vorzüge bei vielen Abgaben Gewinnsteuer und Vermögensteuer sowie Infrastruktursteuer und Straßensteuer entfallen. Außerdem werden die zu importierenden Ausrüstungen ebenso wie zur Produktion notwendige Vorprodukte vom Zoll befreit. In einigen Fallen gibt es Auflagen für die Anzahl der dabei zu schaffenden Arbeitsplätze.

Ende 2014 hat Usbekistan die Registrierung und Zertifizierung von Medikamenten und medizinischen Verbrauchsartikeln neu geregelt und die Verfahren und Fristen entsprechend internationaler Standards angepasst. Anfang 2015 waren in Usbekistan insgesamt 7.146 medizinische Heilmittel zugelassen. Aus lokaler Produktion stammten 1.471 medizinische Heilmittel, aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion 1.766 und aus dem Rest der Welt 3.909, was einerseits die Bedeutung Usbekistans als Exportmarkt und andererseits das Potenzial für Produktionsverlagerungen zeigt. Aus pharmatherapeutischer Sicht schlüsselt sich dieses Volumen, wie die Abbildung zeigt, auf.

Im Gesundheitswesen ist man angehalten, bei Vorhandensein, lokalen Präparaten den Vorzug zu geben. Wenn ein Arzneimittel von mindestens zwei usbekischen Herstellern angeboten wird, werden auf vergleichbare Importpräparate Mehrwertsteuern erhoben.

Mit der sich verbessernden Gesundheitsversorgung bleibt aber der Import von Medikamenten aus dem Ausland insgesamt stabil. Die zehn wichtigsten Lieferländer sind Indien, Russland, die Ukraine, Deutschland, Slowenien, Osterreich, China, Frankreich, Ungarn und Ägypten. Deutschland hat seinen Platz fünf vor allem Unternehmen wie Berlin-Chemie AG, Bionorica SE, Merz Pharma GmbH & Co. KGaA, Bayer AG und Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG zu verdanken. Zu Beginn dieses Jahres hat Usbekistan erstmalig seine Liste der sogenannten Orphan-Arzneimittel veröffentlicht, Medikamente zur Behandlung seltener Krankheiten, die dementsprechend zumeist nur in vergleichsweise geringen Mengen benötigt werden und deshalb in erster Linie kaum in die lokale Fertigung kommen, sondern neue Exportchancen eröffnen.

Die Autorin
Mukabbat Askarova ist Vorsitzende des Verbandes der ausländischen Pharmaproduzenten in Usbekistan.

Quelle: Deutsch-Usbekisches Wirtschaftsjahrbuch 2016/2017